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Schwäbisch, laut und ägglhaft dunkel

16. Mai 2026 · Musikerinitiative e.V. Geislingen

Dieser Abend stand komplett im Zeichen der schwäbischen Sprache. Nicht als VHS-Kurs mit Namensschildchen, sondern mit Gitarren, Schweiß, Dialekt, Humor und einem CD-Release von Hischaboggl, der eigentlich schon früher hätte stattfinden sollen. Der Termin war krankheitsbedingt verschoben worden, ursprünglich war Februar angepeilt. Man kann also sagen: Die Vorfreude hatte genug Zeit, sich unvernünftig breit zu machen.

Offiziell lief das Ganze im MieV Geislingen mit Hischaboggl, Rockoholic und Sprachrohr. In meiner persönlichen Timeline war es mein zweiter Einsatz dort, diesmal sozusagen als Partner von K&K Entertainment. Ich bin ja so eine Art Hoffotograf von K&K. Und Admin. Also der Mensch, der die Webseite endlich mal fertigstellen sollte. Nicht allein schuld, aber leider auch nicht komplett unschuldig. 😁

Rockoholic spielen im MieV Geislingen auf der Bühne
Rockoholic eröffneten den Abend so, als hätte jemand den Lautstärkeregler direkt mit Klebeband fixiert.

VVIP, aber mit Kameratasche

Zusätzlich hatte mich Tepe gefragt, ob ich auch Bilder von Rockoholic machen kann. Damit war ich quasi zweimal auf der Gästeliste. In meinem Kopf: VVIP. In der Realität: der Typ, der versucht, sich mit Kamera durch einen Konzertabend zu bewegen, ohne jemandem das Getränk, den Abend oder die Nase zu ruinieren.

Rockoholic hatte ich vorher noch nie gehört. Das wird nicht so bleiben. Die MieV-Ankündigung beschreibt sie als Pioniere des „Swabian Ägglcore“ aus Ehingen, mit Punk, Hardcore, Rap und schwäbischer Mundart. Klingt auf Papier schon nach einer Warnung an die Statik. Live war es dann weniger Warnung und mehr Vollkontakt.

Die beiden Sänger von Rockoholic performen vor blau-gelbem Bühnenlicht
Zwei Stimmen, viel Bewegung, schwäbische Kante: meine erste Rockoholic-Begegnung war kein vorsichtiges Kennenlernen.

Fokussieren, wenn alle hüpfen

Rockoholic waren wahnsinnig energiegeladen. Sehr gut fürs Publikum. Für den Autofokus eher ein Betriebsausflug in die Überforderung. Da wurde nicht einfach performt, da wurde gesprungen, gerannt, gestikuliert und mit zwei Sängern Druck gemacht. Meine Kamera hat zwischendurch bestimmt kurz überlegt, ob sie beruflich umsatteln möchte.

Genau solche Bands machen Konzertfotografie spannend: Man bekommt keine saubere Pose serviert, sondern muss im Chaos die Zehntelsekunde finden, in der Licht, Gesicht, Bewegung und Kabelsalat zufällig denselben Vertrag unterschreiben. Wenn es klappt, sieht es aus wie Absicht. Das ist die große Lüge der Live-Fotografie, und ich mag sie sehr.

Pause ohne Bilder

Sprachrohr war für Kamera und mich tatsächlich die Pause im Abend. Nicht, weil die Band keine Bilder verdient hätte, sondern weil irgendwann auch Sensor, Schultern und Konzentration kurz Luft brauchen. Deshalb: keine Sprachrohr-Fotos in dieser Galerie, nur Rockoholic und Hischaboggl.

Danach wartete der Grund, warum der Abend überhaupt diesen Nachholtermin hatte.

Hischaboggl, endlich

Hischaboggl spielen energiegeladen vor dem Publikum im MieV
Dann Hischaboggl: lange erwartet, krankheitsbedingt verschoben, endlich da. Das MieV war bereit.
Gitarrist von Hischaboggl im blauen Bühnenlicht mit fliegenden Haaren
Bei Hischaboggl ging es direkt wieder in Bewegung: Haare, Licht, Gitarren, alles gleichzeitig.

Der Auftritt von Hischaboggl war lange erwartet, und genau so fühlte sich der Raum an. Nicht wie „mal schauen“, sondern wie „jetzt aber“. Die Band hat für mich alle Erwartungen erfüllt: schräg, direkt, druckvoll, mit dieser schönen Mischung aus lokaler Verwurzelung und kompletter Bühnen-Enthemmung.

Das Highlight kam für mich zum Schluss: „Schofseggel“. Schon als Wort ein kleines Kulturgut, als Song dann der endgültige Deckel auf einen Abend, der sowieso schon nicht leise gehen wollte. Da war nichts fein dosiert. Das war schwäbisch mit Ausrufezeichen und verschwitztem Grinsen.

Sänger und Musiker von Hischaboggl im gelben Bühnenlicht
Bei Hischaboggl war der Raum endgültig im schwäbischen Ausnahmezustand.

Das Licht war ägglhaft

Die Bildausbeute war leider geringer, als ich mir gewünscht hätte. Nicht, weil auf der Bühne wenig passiert wäre. Eher im Gegenteil. Das Licht war aus Fotografensicht ägglhaft. Genau so. Viel Stimmung, viel Nebel, viel Farbe, aber technisch öfter eine kleine Gemeinheit mit Dimmer.

Vielleicht muss ich beim nächsten MieV-Einsatz doch mit anderer Ausrüstung experimentieren. Anderer Body, anderes Glas, anderer Plan, vielleicht auch ein kleines Opfer an die Lichtgötter. Man wächst ja an seinen Aufgaben. Oder man flucht in RAW und tut später so, als wäre das künstlerische Körnung gewesen. 😈

Schlagzeuger von Hischaboggl lacht während des Auftritts
Wenn der Drummer so aussieht, hat der Abend sehr wahrscheinlich funktioniert.

Bitte hingehen

Unterm Strich: Rockoholic und Hischaboggl sind live ein absolutes Muss, wenn man mit schwäbischem Wahnsinn, Gitarren und kontrolliertem Kontrollverlust etwas anfangen kann. Und das MieV bleibt für mich ein Ort, an dem Konzerte noch nach Raum, Leuten und echter Nähe riechen.

Wer noch nie im MieV war: unbedingt hin. Und mein @f12.rocks Post zum Abend ist der kleine digitale Beweis, dass ich nicht nur behauptet habe, dort gewesen zu sein. Die Kamera war dabei. Ich auch. Beide haben es überlebt. 🤘📷

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